Nach einer langen Dusche fühle ich mich,mittlerweile 34 Stunden wach, langsam wieder wie ein Mensch und vor allem langsam in der Lage wieder neue Eindrücke aufzunehmen. Also, auf dem Weg zum Hostel ist mir eine Station “Stare Miasto” aufgefallen. Mit meinen geringen Sprachkenntnissen kann ich immerhin eruieren, das muß was mit “Altstadt” zu tun haben. Also nix wie hin.
Die Straßenbahnen wechsel zwischen uralt und ultramodern. Scheint so eine polnische Spezialität zu sein. Die modernen sind Niederflurwagen wie man sie mittlerweile überall findet. Die alten, oh was soll ich über die alten sagen. Als Straßenbahnfan bin ich eigentlich begeistert von den ollen Wagen. Als ja nun bald 29+X-jähriger, mache ich mir allerdings Sorgen um meine Kniescheiben. Ich kann mir nicht vorstellen wie Senioren, Schwangere und andere Behinderte (ha ha, ein Scherz) diesen locker 20 (eher mehr) Zentimeter Abgrund überwinden wollen… Ein paar, ganz paar, wenige Stationen sind anscheinend “aufgebockt” worden, aber selbst da sind es noch 5 bis 10 Zentimeter Höhenunterschied. Naja, was solls. Wahrscheinlich warten diejenigen einfach auf eine der nächsten Bahnen…
Ich habe den Ausstieg geschafft ohne mir was zu brechen. Gott sei Dank. Sonst hätte ich diese Überraschung nicht erlebt. Die Treppe von der Haltestelle führt tatsächlich direkt in die Altstadt hinein. Man landet direkt auf dem Schlossplatz (plac Zamkowy) . Ein ganz klein wenig erinnert das Ambiente an Stockholm.

Diese Ensembles an kleinen bunten Häuschen und so… Schön…
Ähnlich wie in Stockholm führt ein Strässchen über ein Gässchen wieder auf ein Plätzchen.. *hust* Also man kommt von einem Platz zum anderen durch viele romantische kleine Gassen und hat an jeder Ecke einen *boah*-Effekt. Vor allem wenn man sich vorstellt, das 1945 hier kein Stein mehr auf dem anderen lag…

Wenn man sich nicht im Gassenwirrwarr verliert, kommt man vom Schlossplatz ziemlich direkt zum Altstadt-Marktplatz (Rynek Starego Miasta). Ich kann mir vorstellen das im Sommer, wenn die Temperaturen auch mal über den Gefrierpunkt klettern, hier das Leben nur so tobt. Kneipe neben Kneipe, Sonnenschirm neben Sonnenschirm, da schmeckt das Piwo gleich nochmal so gut! Vom Żubrówka ganz zu schweigen…

Und auch an die Romantiker unter uns/euch ist gedacht. Das Wahrzeichen von Warschau ist die Meerjungfrau (syrenka), der auch an mehreren Stellen der Stadt ein Denkmal gesetzt wurde. So eben auch, auf diesem Markplatz.

Tiefer und tiefer geht es in die Altstadt hinein. Der größte WOW-Effekt macht dann (schon fast am Ende der eigentlichen Altstadt) der BARBAKAN. Eines der letzten Überbleibsel der alten Stadtbefestigung. Eine geile Szenerie…


Die Altstadt ist hier zu Ende, jedenfalls Altstadt im eigentlichen Sinne. Weiter geht es aber mit den Sehenswürdigkeiten. Und es gibt noch so viel zu sehen… Das würde jeden Rahmen hier sprengen.
Erwähnt sei aber noch das Denkmal zum Warschauer Aufstand. Erbarmungslos niedergeschlagen von den Deutschen, während die Rote Armee schon auf der anderen Seite der Weichsel stand, ungefähr in der Gegend in der mein Hostel liegt. Strange… Jedenfalls ein beeindruckendes Denkmal. Pompööö*, also typisch sozialistisch ausladend und trotzdem irgendwie nachdenklich machend…


Nach diesem kurzen Ausflug in die dunklere Geschichte (das Museum zum Warschauer Aufstand steht für Mittwoch auf meiner Liste), geht es nun langsam zurück ins Hostel. Bald 40 Stunden wach, das reicht…

Naja, so ganz stimmt das nicht. Ich bin vom Schlossplatz aus auch noch in die andere Richtung gegangen. Richtung Nowy Swiat, dem Ku’damm von Warschau. Allzuviele Bilder habe ich allerdings nicht mehr geschossen, denn es regnete, schneite und hagelte gleichzeitig. Ganz ganz merkwürdig. Mit dem Denkmal für den unbekannten Soldaten, dem Jozef Pilsudski Denkmal und blick auf den bunt beleuchteten Palast für Kultur und Wissenschaft gibt es auch in dieser Gegend viel zu sehen. Aber das hebe ich mir für einen anderen Tag auf.
In dieser Gegend wird denn auch aus Stockholm plötzlich Paris. Häuser wie von Haussmann erbaut, Palais, barocke Kirchen und und und und… Ministerien, der Sitz des Ministerpräsidenten und nicht zu vergessen das Hotel Bristel, das erste Haus am Platze. Das Adlon von Warschau, sozusagen… Aber wie gesagt, dazu später mehr…

Veröffentlicht unter my life
Verschlagwortet mit warschau, Warszawa